Schnee im Richard_Wagner_Park
"Park" war sicher eine übertriebene Bezeichnung für das unbebaut gelassene Baufenster am Anfang der Richard-Wagner-Strasse.
Für die Kinder des Viertels aber war es mehr ein "Park", es war ein Zauberort, an dem man sich in fremde Welten fortträumen konnte.
Dort wurden Gabi und ihre FreundInnen zu IndianerInnen von welchem Stamm auch immer.
Und all die bösen, weißen "Sanders" mussten an den Martepfahl.
Und weil das Anbinden und wieder Losbinden an einen Baum ein so schönes Spiel war, wurde reihum jede mal zum Bösewicht.
Offiziell hieß der Richard-Wagner-Park nie Richard-Wagner-Park, die Leute nannten ihn nur so.
Offiziell heisst er heute "Prälat Husse Platz". Einen Namen, den Gabi ebenso ablehnte, wie den Prälaten selbst.
Er war ihr katholischer Religionslehrer und benotete seine SchülerInnen nach dem sonntäglichen Kirch- und Beichtgang.
Odermatts gingen selten, oder sollte man eher nie sagen, in die Kirche.
Kichernder Höhepunkt der Lehrtätigkeit unseres Prälaten war, dass er eines Tages sein Gebiß vergaß.
Seine Lieblingschülerin namens Saskia durfte es dann hohlen.
Diesselbe Saskia wurde eines schönen Tages von den Indianerinnen am Marterpfahl "vergessen" als sie nach Hause eilten zu ihren Muttis.
Gabi war vielleich 5 Jahre alt, also im Winter 1960, da lag es eines Tages
Schnee im Park.
Wobei: So richtig losgehen konnte da nichts, denn der Park ist
topfeben.
Ausserdem hielt der Schnee nur kurz und war bald auch im nahen Stadtpark
verschwunden.